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Bad Statistic of the Month

Berlin psychologist Gerd Gigerenzer, economist Thomas Bauer from Bochum, and statistician Walter Krämer from Dortmund began publicizing the “Bad Statistic of the Month” (“Unstatistik des Monats”) in 2012. Every month they question recently published statistics and their interpretations. Their underlying aim is to help the public deal with data and facts more rationally, interpret numerical representations of reality correctly, and describe an increasingly complex world more adequately. Further information on the background to this initiative can be found at www.unstatistik.de.

The Unstatistik des Monats/Bad Statistic of the Month is available in German only.

Die Unstatistik des Monats Februar ist eine Pressemitteilung der Universitätsklinik Heidelberg. Sie berichtet über einen neuen „marktfähigen“ Bluttest für Brustkrebs, der eine Trefferrate (Sensitivität) von 75 Prozent hat. Die Heidelberger Forscher gaben der BILD-Zeitung ein Exklusiv-Interview, die dann schrieb: „Neuer Bluttest erkennt zuverlässig Brustkrebs - Warum dieser Test eine Weltsensation ist“.
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© Universitätsklinikum Heidelberg
Schweine sind gefährlicher als Diesel-Autos: Rund 50.000 Menschen sterben vorzeitig Jahr für Jahr in Deutschland an den Emissionen der Landwirtschaft (insbesondere der Massentierhaltung) errechnet das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Das seien 45 Prozent und damit der größte Teil der jährlich knapp 120.000 vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub – doppelt so viele wie bisher angenommen. Für die Tagesschau ist damit klar, dass Feinstaub ebenso gefährlich ist wie Rauchen.
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Am 1. Dezember war Welt-AIDS-Tag. Das Motto lautete im Jahr 2018 „Know your status“. Ziel ist, dass bis zum Jahr 2020 90 Prozent aller Menschen ihren Immunstatus kennen. Seit Oktober dürfen dazu in Deutschland HIV-Schnelltests frei verkauft werden, die man in Apotheken, Drogerien oder über das Internet bestellen und anonym selbst durchführen kann. Man muss nur die Gebrauchsanweisung lesen, mit einer Lanzette die Haut an der Fingerspitze durchstechen und das Blut in ein Teströhrchen füllen. Dann wartet man 10 bis 15 Minuten und erhält schließlich das Ergebnis: positiv oder negativ. Leider wird aber nicht verständlich erklärt, was das Ergebnis bedeutet. Das wäre jedoch insbesondere für alle diejenigen wichtig, die ohne Arzt einen HIV-Selbsttest durchführen.
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© Helen McArdle / Science Photo Library
Die Unstatistik des Monats November 2018 ist die vielzitierte „schwarze Null“, mit der Bundesfinanzminister Scholz seinen Haushaltsentwurf 2019 abschließt. Über sie berichteten beispielsweise die „Deutsche Welle“ und tagesschau.de. Gemeint ist damit, dass sich Einnahmen und Ausgaben ausgleichen und keine Schulden aufgenommen werden.
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Die Unstatistik des Monats Oktober ist die Pressemitteilung des Innenministeriums über das „erfolgreiche“ Projekt zur automatischen Gesichtserkennung mit einer Trefferrate von über 80% und Falsch-Alarm-Rate von unter 0,1%.
Videoüberwachung
Die Unstatistik des Septembers 2018 ist die Zahl 80%. So viele EU-Bürger wünschen sich angeblich das Ende der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit und zurück. So das Ergebnis einer Online-Umfrage der EU-Kommission. Es ist mit dafür verantwortlich, dass die Zeitumstellung in der EU abgeschafft werden soll, wie beispielsweise tagesschau.de unter dem Titel „2019 zum letzten Mal“ berichtete.
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© birgitH / pixelio.de
Die Unstatistik des Monats August ist eine Analyse der Fachzeitschrift „Lancet“ von 83 Studien mit insgesamt etwa 600.000 Menschen über die Auswirkung von Alkohol. Ein Ergebnis dieser Studie wurde in den Medien, unter anderem im Deutschlandfunk und bei stern.de, besonders hervorgehoben: Ein einziger „Drink“ pro Tag erhöht das Risiko, eines von 23 alkohol-bezogenen Gesundheitsproblemen zu bekommen, um 0,5 Prozent. Ein Drink sind 10 Gramm Alkohol, also etwa ein Viertelliter Bier oder ein Achtel Wein. In den Medien wurde davon gesprochen, dass der Satz „Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren“ nun endgültig widerlegt sei und man jetzt über absolute Abstinenz und höhere Besteuerung reden müsse.
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© Jean Beaufort / CC0 1.0
Die Unstatistik des Monats Juli stammt von der Süddeutschen Zeitung. Unter der Überschrift „Deutschlands Mietmarkt ist kaputt“ beklagt das Blatt in seiner Ausgabe vom 16. Juli das nach ihrer Meinung unsozial hohe Niveau der Mieten in vielen deutschen Großstädten. Basis ist eine Stichprobe von 57.000 Personen, die an einer Umfrage der Zeitung teilgenommen hatten; 3.000 davon haben ihre persönliche Geschichte mitgeteilt.
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© birgitH / pixelio.de
Die Unstatistik des Monats stammt diesmal vom amerikanischen Präsidenten, der Mitte dieses Monats twitterte, in Deutschland sei infolge der Zuwanderung die Kriminalität um zehn Prozent angestiegen. Die deutsche Regierung würde diesen Anstieg jedoch absichtlich verschleiern. Die Trumpschen Twittermeldungen führten in Deutschland wieder zu einer heftigen Diskussion über die Entwicklung der Kriminalität, die zum Beispiel der Münchener Merkur aufgriff.
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Zwischen 2009 und 2018 führte ein Fehler in einem Computer-Algorithmus dazu, dass in Großbritannien rund 450.000 Frauen im Alter von etwa 70 die Einladung zum letzten Mammographie-Screening nicht erhielten. Dadurch könnte möglicherweise das Leben von 135 bis 270 Frauen verkürzt worden sein, erklärte der britische Gesundheitsminister Jeremy Hunt vor dem Parlament. Das Nachrichtenportal RT Deutsch berichtete daraufhin, dass „135 bis 270 Frauen unerkannt an Brustkrebs gestorben“ sein könnten und das Online-Portal des österreichischen Frauen-Lifestyle-Magazins „WIENERIN“ schrieb: „Das könnte 270 Frauen das Leben gekostet haben.“ Sind also bis zu 270 Frauen wegen nicht-versandter Einladungen gestorben?
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