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Unstatistik des Monats Juni 2018: Trumpeske Statistik?

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Die Unstatistik des Monats stammt diesmal vom amerikanischen Präsidenten, der Mitte dieses Monats twitterte, in Deutschland sei infolge der Zuwanderung die Kriminalität um zehn Prozent angestiegen. Die deutsche Regierung würde diesen Anstieg jedoch absichtlich verschleiern. Die Trumpschen Twittermeldungen führten in Deutschland wieder zu einer heftigen Diskussion über die Entwicklung der Kriminalität, die zum Beispiel der Münchener Merkur aufgriff.

Fakt ist, dass sich die vom Bundeskriminalamt (BKA) ausgewiesenen Straftaten zwischen 2016 und 2017 um nahezu zehn Prozent verringert haben. Fakt ist aber auch, dass die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) mit erheblichen Problemen verbunden ist. So erfasst die Kriminalstatistik nur das sogenannte Hellfeld, also diejenigen Straftaten, die der Polizei auch gemeldet werden. Daher hängen die in der Kriminalstatistik ausgewiesenen Straftaten von vielen verschiedenen Faktoren ab, die sich regional, insbesondere aber über die Zeit verändern können. So können Veränderungen der Anzahl der Straftaten über die Zeit auf echte Kriminalitätsänderungen, aber auch auf ein sich verändertes Anzeigeverhalten der Bevölkerung, beispielsweise aus versicherungstechnischen Gründen oder aufgrund öffentlicher Debatten, wie der mit dem MeToo-Hashtag verbundenen Diskussion über sexuelle Belästigung, zurückgeführt werden. Auch eine verstärkte polizeiliche Strafverfolgung oder auf Änderungen des Strafrechts können sich hier auswirken. Im November 2016 wurden zum Beispiel im Sexualstrafrecht sowohl Straftatbestände geändert als auch neue geschaffen. Aus diesen Gründen wird in der PKS explizit darauf hingewiesen, dass die PKS „kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit [bietet], sondern ein je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität“ Ein ähnlicher Hinweis findet sich im Übrigen auch in der vom FBI herausgegebenen Kriminalitätsstatistik der USA.

Schließlich gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die Bundesregierung die Kriminalitätsstatistik bewusst fälschen lässt. Auch wurde in Deutschland (noch) kein Statistiker dafür verurteilt, eine nach den gesetzlichen Vorgaben richtige Statistik veröffentlicht zu haben. In anderen Länder geschieht das leider. So wurde gerade der ehemalige Chefstatistiker Andreas Georgiou zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, weil er das Staatsdefizit Griechenlands korrekt ausgewiesen und ohne Rücksprache an Brüssel gemeldet hatte.

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Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thomas Bauer, Tel.: (0201) 8149-264
Sabine Weiler (Pressestelle RWI), Tel.: (0201) 8149-213

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de.