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Trugschluss des Anklägers
Die Verwechslung der Wahrscheinlichkeit p(Übereinstimmung), dass die Merkmale des Angeklagten mit denen des Beweismittels übereinstimmen, mit der Wahrscheinlichkeit p(unschuldig I Übereinstimmung), dass der Angeklagte unschuldig ist, wenn diese Übereinstimmung vorliegt. Da beim DNA-Abgleich p(Übereinstimmung) normalerweise sehr klein ist, „dient" diese Verwechslung den Anklägern, weil dadurch die Wahrscheinlichkeit gleichermaßen gering erscheint, dass der Angeklagte unschuldig ist.

Überzeugungsgrad
Eine der drei wichtigen Interpretationen von Wahrscheinlichkeit (neben der relativen Häufigkeit und dem Design). Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses enspricht dabei dem Ausmaß der subjektiven Überzeugung, dass das betreffende Ereignis eintritt. Historisch gesehen, fand der Überzeugungsgrad vom Rechtswesen her Eingang in die Wahrscheinlichkeitstheorie, als es um die Glaubwürdigkeit von Zeugen ging. Der Grad der Überzeugung muss sich dabei stets den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit unterwerfen (so müssen sich die einzelnen Wahrscheinlichkeiten zu eins addieren); das bedeutet, nur wenn der Überzeugungsgrad diesen Regeln folgt, kann er als subjektive Wahrscheinlichkeit gelten. 

Unabhängigkeit
Zwei Ereignisse oder Merkmale sind voneinander unabhängig, wenn die Kenntnis des einen nichts darüber aussagt, ob das andere eintritt bzw. vorliegt. Zwei Ereignisse A und B sind formal voneinander unabhängig, wenn die Wahrscheinlichkeit von p(A und B), dass beide eintreten, gleich dem Produkt von p(A) und p(B) ist, also gleich dem Produkt der Wahrscheinlichkeit beider Ereignisse. Diese Unabhängigkeit spielt beispielsweise eine Rolle, wenn die Übereinstimmung der DNA-Profile eines Verdächtigen und einer Blutspur am Tatort zu beurteilen ist. Angenommen, bei nur 1 von 1.000.000 Menschen zeigt sich eine solche Übereinstimmung, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit 1 von 1.000.000, dass das DNA-Profil eines zufällig ausgewählten Menschen mit dem der Blutspur übereinstimmt. Wenn der Verdächtige aber einen eineiigen Zwilling hat, so liegt – wenn man von Auswertungsfehlern einmal absieht – die Wahrscheinlichkeit, dass auch der Zwilling eine Übereinstimmung zeigt, bei 1 anstatt bei 1:1.000.000. Und wenn der Verdächtige Brüder hat, ist bei diesen die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung ebenfalls deutlich höher als bei der allgemeinen Bevölkerung. Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit einer DNA-Übereinstimung ist nicht unabhängig davon, ob die betreffenden Personen miteinander verwandt sind oder nicht.

Ungewissheit
Ein Ereignis oder ein Merkmal, das nicht gewiss ist, sondern eintreten oder auch nicht eintreten kann, nennt man ungewiss. Wenn die Ungewissheit aufgrund empirischer Beobachtungen oder kausalen Wissens („Design") qualifiziert werden kann, so nennt man sie Risiko. 

Unwissenheit über Risiken
Eine elementare Form der Zahlenblindheit, bei der man ein persönlich oder beruflich wichtigeres Risiko nicht einmal ungefähr angeben kann. Diese Ungewissheit unterscheidet sich von der Illusion der Gewissheit (beispielsweise dass „Zigarettenrauchen keinen Lungenkrebs verursacht") dadurch, dass man zwar weiß, dass ein Risiko vorliegt, jedoch dessen Ausmaß nicht kennt.

Urheberwahrscheinlichkeit
Die Wahrscheinlichkeit p(Urheber I Übereinstimmung), dass ein Verdächtiger der Urheber einer Spur ist, wenn eine Übereinstimmung in einem Merkmal (oder in mehreren Merkmalen) vorliegt.

Validität
(wörtlich: „Gültigkeit"). Gütekriterium, das angibt, wie gut ein Test misst, was er messen soll. Eine hohe Reliabilität ist notwendig, aber nicht hinreichend für eine hohe Validität.

Vernebeltes Denken
Eine Form der Zahlenblindheit, bei der man die Wahrscheinlichkeit kennt, aber nicht die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehen kann. Beispielsweise kennen die meisten Ärzte Sensitivität und Spezifität der Mammographie und Grundanteil an Brustkrebs bei den Frauen der betreffenden Altersgruppe. Sie können aber oft nicht daraus folgern, mit welchen Wahrscheinlichkeiten eine Frau wirklich Brustkrebs hat, deren Mammogramm positiv ausfiel. Hilfsmittel zum Überwinden dieser Schwierigkeit sind angemessene Darstellungen (z.B. mit den natürlichen Häufigkeiten), die die Schlussfolgerungen erleichtern.

Verwirrende Vermittlung von Risiken
Eine Form der Zahlenblindheit, bei der jemand die betreffenden Risiken zwar kennt, sie aber anderen nicht verständlich mitteilen kann. Abhilfe ist vor allem durch Darstellungen der Zahlenwerte möglich, die das Verständnis erleichtern. 

Wahrscheinlichkeit
Ein Maß für die Ungewissheit, die mit einem Ereignis oder dem Vorliegen eine Merkmals verknüpft ist. Wenn ein Ereignis A nicht eintreten kann, dann ist seine Wahrscheinlichkeit p(A) gleich null; und wenn es mit Sicherheit eintritt, ist p(A) gleich eins. In allen anderen Fällen liegt p(A) zwischen null und eins. Für zwei Mengen von Ereignissen, die einander ausschließen und vollständig sind (z.B. das Spiel wird gewonnen, verloren oder geht unentschieden aus), addieren sich die Wahrscheinlichkeiten der einzelnen Ereignisse stets zu eins. Wie bei den Prozenten lassen sich auch bei Wahrscheinlichkeiten drei Arten unterscheiden. Einzellfall-Wahrscheinlichkeiten und bedingte Wahrscheinlichkeiten führen regelmäßig zu Missverständnissen. Vergleichsweise leicht zu verstehen sind dagegen (nicht bedingte) relative Häufigkeiten, die als Wahrscheinlichkeiten (oder Prozente) ausgedrückt werden. 

Wahrscheinlichkeit der zufälligen Übereinstimmung
(„random match probability"). Die relative Häufigkeit eines Merkmals oder einer Kombination von Merkmalen in einer Population. Sie ist gleichbedeutend mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein am Tatort aufgefundenes DNA-Profil mit dem DNA-Profil eines zufällig aus der Bevölkerung herausgegriffenen Menschen übereinstimmt.

Zahlenblindheit
Die Unfähigkeit, mit Zahlen richtig umzugehen. Im Zusammenhang mit statistischem Denken ist dies die Unfähigkeit, Ungewissheiten richtig darzustellen und einzuschätzen. Sie äußert sich in der Ungewissheit über Risiken, in verwirrender Vermittlung von Risiken und vernebeltem Denken. Wie Leseschwäche ist auch Zahlenblindheit heilbar, denn sie ist keineswegs einfach eine „innere" mentale Schwäche, sondern wird zumindest teilweise von außen erzeugt oder provoziert, indem die betreffenden Werte nicht angemessen präsentiert werden. Daher ist auch Abhilfe von außen möglich.

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