EnglishDeutsch

Grippeschutzimpfung für Senioren (Influenzaimpfung)

Diese Faktenbox soll Ihnen helfen, Nutzen und Schäden der Grippeschutzimpfung für Senioren abzuwägen. Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar. Sie basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Die Faktenbox wurde vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz erstellt.

Was ist eine Grippe?
Eine Grippe ist eine Erkrankung, die durch den Influenzavirus ausgelöst wird. Die Symptome sind hohes Fieber, Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen sowie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Heiserkeit. In der Regel wird bei vielen grippeartigen Erkrankungen von Grippe gesprochen, ohne dass auf den Influenzavirus untersucht wurde. Grippeartige Erkrankungen umfassen die Grippe (Influenza) sowie andere Atemwegserkrankungen, deren Symptome (hohes Fieber, Husten) denen einer Grippe so ähnlich sind, dass der Arzt die Erkrankung ohne Laboruntersuchung nicht von der Grippe unterscheiden kann.
Übertragen wird der Erreger über verunreinigte Gegenstände (z.B. Türklinken) oder über Tröpfchen, die sich beim Niesen, Husten oder Schnupfen in der Luft ausbreiten [1]. Von den 70.247 bestätigten Fällen in der Grippesaison 2014/2015 war am häufigsten die Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen von der Influenza-Infektion betroffen, gefolgt von der Gruppe der über 60-Jährigen [2].

Was ist eine Grippeschutzimpfung?
Eine Grippeschutzimpfung dient dem Schutz vor der durch Influenzaviren ausgelösten Grippe. Die Schutzwirkung einer solchen Influenzaimpfung ist immer auf ein Jahr begrenzt [1].

Wer kann eine Grippeschutzimpfung in Betracht ziehen?
Menschen ab 60 Jahren können die Impfung vornehmen lassen [1].

Welche alternativen Präventionsmöglichkeiten gibt es?
Die Einhaltung von Hygienemaßnahmen, z.B. regelmäßiges Händewaschen (insbesondere vor und nach dem Kontakt mit Risikopersonen) und Desinfektion von potenziell verunreinigten Flächen und Übertragungsgegenständen (z.B. Türklinken) kann vor Infektionen schützen. Weitergehend können das Abstandhalten zu Personen mit Grippe-Symptomen und ggf. Maßnahmen zur Stärkung des körpereigenen Immunsystems (gesunde Ernährung, sportliche Betätigung) das Infektionsrisiko senken [1].

Faktenbox_Grippe-Senioren_DE_04-2016
© Harding-Zentrum für Risikokompetenz

Was zeigt die Faktenbox?
In der Faktenbox werden die Grippeschutzimpfung und eine Scheinimpfung hinsichtlich ihrer Nutzen und Schäden bei Senioren ab 60 Jahren miteinander verglichen. Dies schließt Senioren aus Risikogruppen und Bewohner von betreutem Wohnen ein, jedoch keine Patienten aus psychiatrischen Kliniken.
Die Tabelle liest sich wie folgt: Von je 1.000 Senioren mit Scheinimpfung (Placebo) litten binnen eines Jahres zwischen 39 und 98 an grippeartigen Erkrankungen. Von je 1.000 Senioren mit Grippeschutzimpfung litten hingegen zwischen 21 und 84 an grippeartigen Erkrankungen.
Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet.

Was ist noch zu beachten?
Der schwankende Nutzen einer Grippeschutzimpfung hängt direkt davon ab, welche Grippeviren wo und wie stark grassieren sowie ob der in der jeweiligen Grippesaison gespritzte Impfstoff zu diesen Viren passt. Da jedes Jahr andere Viren stärker verbreitet sind, sind im Fall einer Impfentscheidung jährliche Neuimpfungen von Nöten.
Von 1.000 Senioren mit Scheinimpfung waren 4 bis 17 aufgrund eines grippalen Infektes oder einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Mit Grippeschutzimpfung waren 3 bis 13 von je 1.000 Senioren wegen eines grippalen Infektes oder einer Lungenentzündung im Krankenhaus.
Erkältungen lassen sich durch die Grippeschutzimpfung nicht vermeiden.

Qualität der Evidenz
Die Evidenz ist insgesamt von niedriger und teilweise von moderater Qualität. Es gibt nur wenige randomisiert- kontrollierte Studien. Die Beschränkung der Wirksamkeit auf einzelne Jahre verringert zudem die Aussagekraft bezüglich der generellen Effektivität der Grippeschutzimpfung über einen längeren Zeitraum für ältere Menschen deutlich.

Letztes Update: April 2016

Quellen

Zu den Symptomen und dem Risiko der Infektion sowie eines symptomatischen Verlaufs im Fall einer Infektion:

[1] Robert Koch-Institut . RKI-Ratgeber für Ärzte: Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren. 2016; Link zur Website, Access date 24 Aug 2016.

Zu den epidemiologischen Zahlen für die Saison 2014/2015:

[2] Buda S, Köpke K, Prahm K et al. Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2014/2015. Robert Koch- Institut (Ed.). Link zur Website, Access date 24 Aug 2016.

Die Zahlen zum Nutzen und Schaden:

Die Zahlen zum Auftreten von Grippe bzw. von grippeartigen Erkrankungen stammen aus zwei randomisierten Studien mit 2.000 Teilnehmern ab 60 Jahren. Die Zahlen zu Krankenhausaufenthalten basieren auf sechs Kohortenstudien mit mehr als 700.000 Einwohnern über 65 Jahren. Die Zahlen zum Tod basieren auf vier Kohortenstudien mit mehr als 300.000 Einwohnern über 65 Jahren. Dabei handelte es sich um gesunde und kranke Senioren in verschiedenen Jahren, in denen Grippeerkrankungen grundsätzlich unterschiedlich häufig und regional verteilt auftraten.

Die Zahlen zum Auftreten von Schmerzen stammen aus vier randomisiert-kontrollierten Studien mit zusammen 2.500 Teilnehmern. Die Zahlen zum Auftreten der genannten Hautveränderungen stammen aus zwei randomisiert- kontrollierten Studien mit zusammen 1.800 Teilnehmern.

[3] Jefferson T, Di Pietrantonj C, Al‐Ansary LA et al. Vaccines for preventing influenza in the elderly. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010; 2:CD004876.
[4] Darvishian M, Gefenaite G, Turner RM et al. After adjusting for bias in meta-analysis seasonal influenza vaccine remains effective in community-dwelling elderly. Journal of Clinical Epidemiology 2014; 67(7):734-44.
[5] Beyer WE, McElhaney J, Smith DJ et al. Cochrane re- arranged: support for policies to vaccinate elderly people against influenza. Vaccine 2013; 31(50):6030-3.

Faktenboxen

Die Idee für Faktenboxen wurde von Lisa Schwartz und Steven Woloshin entwickelt. In mehreren Studien konnten sie zeigen, dass sie die Allgemeinbevölkerung erfolgreich über Nutzen und Risiken medizinischer Behandlungen informieren. Weiteres hierzu gibt es auf der Übersichtsseite.