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Ernährungsberatung zur Vorbeugung eines Schwangerschaftsdiabetes

Diese Faktenbox soll Ihnen helfen, Nutzen und Schäden von Ernährungsberatung zur Vorbeugung eines Schwangerschaftsdiabetes abzuwägen. Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar. Sie basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Faktenbox wurde vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz erstellt.

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Durch Veränderungen im Stoffwechsel der Mutter während der Schwangerschaft können Blutzuckerwerte vorübergehend ansteigen. Von einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestations-diabetes) wird gesprochen, wenn der Zuckerspiegel im Blut mehrere Male die Grenzwerte erreicht oder diese übersteigt. Ungefähr 4 von 100 Frauen entwickeln einen Schwangerschaftsdiabetes [1].

Im Regelfall sinkt der Blutzuckerspiegel nach der Geburt wieder ab. Ein Schwangerschaftsdiabetes bedeutet daher nicht, dass eine dauerhafte Erkrankung an der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus die Folge ist [1].

Risikofaktoren für erhöhte Blutzuckerwerte sind:

  • Übergewicht der Mutter (Body Mass Index (BMI) >25),
  • Fettleibigkeit (Adipositas) (BMI >30) bereits vor der Schwangerschaft
  • und ein vorangegangener Schwangerschaftsdiabetes.

Zudem treten erhöhte Blutzuckerwerte bei Schwangeren auf, wenn nahe Verwandte an Diabetes leiden [1].

Zu den möglichen Folgen eines Schwangerschafts-diabetes gehört, dass Neugeborene im Durchschnitt etwas größer und schwerer bei der Geburt sind (über 4.000 oder 4.500 g) [1]. Dadurch steigt das Risiko für Geburtsverletzungen bei Mutter und Kind (z.B. Verletzungen im Genitalbereich der Mutter, Hängenbleiben der Schulter des Kindes im Becken der Mutter). Weitergehend können Geburtsverzögerungen auftreten, die mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen während der Geburt (z.B. verminderte Sauerstoffversorgung des Kindes) und für einen Kaiserschnitt einhergehen [2]. Diese Notfallsituationen sind jedoch sehr selten [1].

Ein erhöhter Blutzucker erhöht das Risiko für die seltene Schwangerschaftserkrankung Präeklampsie, bei der der Blutdruck steigt, mehr Eiweiß mit dem Urin ausgeschieden wird und es zu Wasserein-lagerungen im Körper (Ödeme) kommt. Eine unbehandelte Präeklampsie kann Mutter und Kind schaden [1].

Wie wird ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?

Frauen werden in der 24. oder 28. Schwangerschaftswoche (SSW) (6. oder 7. Monat), falls bestimmte Risikofaktoren vorhanden sind, auf Schwangerschaftsdiabetes getestet. Der Test ist eine Standarduntersuchung und wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden wie der Körper auf eine hohe Zuckerzufuhr reagiert [3].

Wie funktioniert der Zuckertest?

Beim sogenannten Zuckertest (Glukosetoleranztest) wird in einem ersten Schritt in 250 bis 300 ml Wasser gelöster Zucker (50 g Traubenzucker) getrunken und nach einer Stunde der Zuckergehalt im Blut überprüft. Übersteigt der Blutzucker den Normalwert von 7,5 Millimol pro Liter (mmol/L, 135 mg/dL) wird ein weiterer Test angesetzt. Hierbei wird zunächst der Zuckergehalt im Blut auf nüchternen Magen abgenommen. Das bedeutet, dass acht Stunden vor der Blutabnahme nichts mehr gegessen oder getrunken werden darf (außer Wasser). Anschließend werden 75 g gelöster Zucker in 250 bis 300 ml Wasser getrunken und nach einer Stunde und erneut nach zwei Stunden Blut abgenommen. Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt vor, wenn ein oder mehrere Blutzuckerwerte die Grenzwerte erreichen oder überschreiten:

  • Nüchternwert: 5,1 mmol/L (92 mg/dL)
  • nach einer Stunde: 10,0 mmol/L (180 mg/dL)
  • nach zwei Stunden: 8,5 mmol/L (153 mg/dL) [1].

Was bedeutet Ernährungsberatung?

Eine abwechslungsreiche Ernährung soll vor und während der Schwangerschaft das Risiko für eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels reduzieren. Eine Ernährungsberatung zielt daher darauf ab, das Bewusstsein von Frauen in Bezug auf ihre Ernährung zu erhöhen und potenzielle Risikofaktoren für die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes zu reduzieren. Aufgrund der Stoffwechselveränderungen in der Schwangerschaft kann ein Schwangerschafts-diabetes jedoch bei jeder Schwangeren auftreten [1].

Faktenbox_Schwangerschaftsdiabetes_DE

Was zeigt die Faktenbox?

In der Faktenbox werden Ernährungsberatung und Standardbetreuung zur Vorbeugung eines Schwangerschaftsdiabetes hinsichtlich ihres Nutzens und Schadens miteinander verglichen. Schwangere Frauen erhielten eine Ernährungsberatung bevor ein Test zur Feststellung des Blutzuckers (Glukosetoleranztest) durchgeführt wurde.

Die Tabelle liest sich wie folgt:

Etwa 13 von je 100 Frauen mit und ohne Ernährungsberatung bekamen einen Schwangerschaftsdiabetes.

Etwa 10 von je 100 Frauen ohne Ernährungsberatung und 3 von je 100 Frauen mit Ernährungsberatung entwickelten einen durch die Schwangerschaft bedingten Bluthochdruck. Das bedeutet, dass bei etwa 7 von je 100 Frauen eine Ernährungsberatung einen schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck verhindern konnte.

Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet. Sie basieren auf 11 Studien mit knapp 2.800 Teilnehmerinnen [1].

Was ist noch zu beachten?

Die Frauen, die an den Studien teilgenommen haben, hatten vor der Schwangerschaft keinen Diabetes mellitus Typ I oder Typ II. Zudem wurden sie weder schon einmal auf Schwangerschaftsdiabetes getestet, noch haben sie parallel an einer anderen Maßnahme zur Vorbeugung von einer übermäßigen Gewichtszunahme teilgenommen.

Aus den Studien geht nicht hervor, ob die Frauen bereits vor der Schwangerschaft übergewichtig oder fettleibig (adipös) waren.

Zudem handelt es sich um sehr unterschiedliche Studien mit verschiedenen Forschungsfragen, verschiedenen Zeitpunkten und Häufigkeiten der Untersuchungen.

Liefern die Ergebnisse einen Beweis (Evidenz) für den Nutzen und Schaden der Ernährungsberatung?

Die Beweislage ist insgesamt von niedriger bis sehr niedriger Qualität:

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ergebnisse zur Entstehung von Bluthochdruck, Präeklampsie und Notwendigkeit eines Kaiserschnitts durch weitere Forschung verändert werden (niedrige Beweislage).

Die Ergebnisse zur Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes und zu Verletzungen im Genitalbereich sind nicht vertrauenswürdig (sehr niedrige Beweislage).

Letztes Update

Januar 2018

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© Harding Center for Risk Literacy

Quellen

Die Informationen für die Faktenbox wurden den folgenden Quellen entnommen:

[1] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Schwangerschafts-diabetes 2017 [Available from: www.gesundheitsinformation.de/schwangerschaftsdiabetes.2108.de.html.

[2] Tieu J, Shepherd E, Middleton P, et al. Dietary advice interventions in pregnancy for preventing gestational diabetes mellitus. Cochrane Database Syst Rev 2017(1):CD006674.

[3] Gemeinsamer Bundesausschuss. Früherkennungsuntersuchungen im Überblick 2016 [Available from: www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/frueherkennung/ueberblick/ accessed 16.01.2018

Faktenboxen

Die Idee für Faktenboxen wurde von Lisa Schwartz und Steven Woloshin entwickelt. In mehreren Studien konnten sie zeigen, dass sie die Allgemeinbevölkerung erfolgreich über Nutzen und Risiken medizinischer Behandlungen informieren. Weiteres hierzu gibt es auf der Übersichtsseite.

 

Nutzungsbedingungen: Alle Faktenboxen des Harding-Zentrum für Risikokompetenz und das dazugehörige Begleitmaterial sind lizenziert unter einer Creative Commons BY-NC-ND 4.0 Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen - 4.0 International).

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