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Bildgebung bei Rücken- und Kreuzschmerzen

Diese Faktenbox soll Ihnen helfen, Nutzen und Schäden der Bildgebung bei Rücken- und Kreuzschmerzen abzuwägen. Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar. Sie basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Faktenbox wurde vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz erstellt.

Was sind Rücken- und Kreuzschmerzen?

Als Rücken- und Kreuzschmerzen werden Schmerzen im unteren Rücken, das heißt zwischen Hüfte und Rippenbogen, bezeichnet. Die Schmerzen können bis in die Gesäßmuskulatur, Beine und Füße ausstrahlen [2]. Schätzungen zufolge leiden ca. 85 % der deutschen Bevölkerung mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen. Etwa 76 % leiden mindestens einmal im Jahr unter Rückenschmerzen [3].

Häufig ist die Ursache der Rückenschmerzen unklar. Lässt sich keine eindeutige Ursache für die Beschwerden finden, so wird von einem nicht-spezifischen Rücken- und Kreuzschmerz gesprochen. Die Schmerzursache können dann Muskelverspannungen oder -steifheit sein, die zum Beispiel durch eine schwache Rumpfmuskulatur, Fehlbelastungen oder -haltungen sowie durch psychosoziale Faktoren wie Stress, Angst oder Depression bedingt sind. Als spezifischer Rücken- und Kreuzschmerz werden Schmerzen bezeichnet, die mechanische Ursachen wie zum Beispiel Knochenbrüche, Bandscheibenvorfälle, Wirbelkanaleinengungen und Wirbelgleiten haben. Sie können aber auch durch chronische Erkrankungen wie Osteoporose, Krebs oder Organerkrankungen (z.B. Nierensteine) hervorgerufen werden [2, 4, 5].

Von akutem Rücken- und Kreuzschmerz wird gesprochen, wenn sie kürzer als sechs Wochen andauern. Wenn Rücken- und Kreuzschmerzen länger als 12 Wochen anhalten, werden sie als chronisch bezeichnet [3].

Was ist unter Bildgebung zu verstehen?

Bei der Bildgebung von Rücken- und Kreuzschmerzen können unterschiedliche Verfahren zum Einsatz kommen, um der Ursache der Schmerzen nachzugehen. Hierzu zählen Röntgen, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztherapie bzw. Kernspintomographie (MRT).

Röntgenbilder können Knochenstrukturen darstellen und werden für die Diagnose von Brüchen, Fehlstellungen oder Fehlbildungen verwendet.

Die CT nutzt eine 3D-Röntgentechnik, die es ermöglicht neben Knochen und Gelenken, auch verkalkte Bänder, Sehnen und Bandscheiben darzustellen.

Die MRT kann detaillierte Aufnahmen von Weichteilen und Knochenmark machen [4]. Somit wird sie unter anderem zur Abklärung eines Verdachtes auf einen Bandscheibenvorfall herangezogen.

Bei der MRT kommt es im Vergleich zu Röntgen und CT zu keiner Strahlenbelastung, da statt ionisierender Strahlung Magnetfelder und Radiosignale eingesetzt werden [4]. Ionisierende Strahlung kann Veränderungen im Erbgut verursachen, wodurch das Risiko an Krebs zu erkranken, erhöht werden kann.

Wer kann die Diagnostik mittels Bildgebung in Betracht ziehen?

Bei akuten und wiederkehrenden Rücken- und Kreuzschmerzen ohne Hinweis auf eine spezifische Schmerzursache wird laut der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Nicht–spezifischer Kreuzschmerz von bildgebender Diagnostik abgeraten.

Ist der Rücken- und Kreuzschmerz nach vier bis sechs Wochen anhaltend aktivitätseinschränkend oder fortschreitend, kann über eine Bildgebung nachgedacht werden.

Bei einem Verdacht auf einen gefährlichen Verlauf (Red Flags) kann eine bildgebende Diagnostik sinnvoll sein. Bei den Red Flags handelt es sich zum Beispiel um einen Verdacht auf Krebs, Nervenschädigungen, Bandscheibenvorfälle, Entzündungen in der Wirbelsäule oder Knochenbrüche. Die MRT wird hierbei aufgrund ihrer Genauigkeit als beste Wahl angesehen [2].

Welche Alternativen gibt es?

Bei akuten nicht-spezifischen Rücken- und Kreuzschmerzen stehen zunächst die Beratung und Schulung hinsichtlich lebensstilbedingter Ursachen im Vordergrund. Dies beinhaltet Maßnahmen zur Steigerung der Aktivität und zum Selbstmanagement, wie zum Beispiel Stressbewältigung.

Begleitend können eine medikamentöse Behandlung (Schmerzmittel) und nicht-medikamentöse Behandlung (z.B. Krankengymnastik, manuelle Therapie und Akupunktur) zur Schmerzverbesserung beitragen [2].

Faktenbox_Bildgebung_Rückenschmerzen_DE

Was zeigt die Faktenbox?

In der Faktenbox werden Bildgebung und keine Bildgebung bei Menschen mit Rücken- und Kreuzschmerzen, die bis zu 24 Monate beobachtet wurden, hinsichtlich ihres Nutzens und Schadens miteinander verglichen.

Die Tabelle liest sich wie folgt:

Es konnte kein Unterschied zwischen Bildgebung und keiner Bildgebung in Bezug auf Schmerzen, Funktion und Zufriedenheit bei Menschen mit Rücken- und Kreuzschmerzen festgestellt werden. Ohne Bildgebung berichteten 50 von je 100 Menschen langfristig eine allgemeine Verbesserung. Mit Bildgebung waren es 43 von je 100 Menschen.

Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet. Die Angaben zum Nutzen basieren auf 7 Studien mit knapp 2.000 Teilnehmern [1].

Was ist noch zu beachten?

In den eingeschlossenen Studien wurden Röntgen, CT oder MRT zur Bildgebung eingesetzt. Röntgen wurde in vier Studien und damit am häufigsten eingesetzt, gefolgt von MRT (3 Studien) und CT (1 Studie).

Nach der Bildgebung kann es zum Ausschluss spezifischer Gründe für die Rücken- und Kreuzschmerzen kommen, sodass letztendlich nicht-spezifischer Rückenschmerz diagnostiziert wird [6]. Es können aber auch (Zufalls-)Befunde wie Abnutzungserscheinungen auftreten, die dann womöglich die Wahl der Behandlung beeinflussen. Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule treten jedoch sowohl bei Personen mit als auch ohne Rückenschmerzen auf [4]. Daher muss eine bei der Bildgebung gefundene Abnutzungserscheinung nicht die Ursache für die vorhandenen Beschwerden sein. Dies kann Patienten verunsichern und möglicherweise ihre Gesundung verzögern.

Die Lebensqualität unterschied sich mit und ohne Bildgebung nicht.

Liefern die Ergebnisse einen Beweis (Evidenz) für den Nutzen und Schaden der Untersuchung?

Die Beweislage ist insgesamt von niedriger bis mittlerer Qualität: Einige Ergebnisse könnten durch weitere Forschungverändert werden (moderate Beweislage), bei anderen ist es sehr wahrscheinlich, dass sie durch weitere Forschung verändert werden (niedrige Beweislage).

Letztes Update

September 2017

Visualisierung der Faktenbox

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Quellen

Die Informationen für die Faktenbox wurden den folgenden Quellen entnommen:

[1] Karel YH, Verkerk K, Endenburg S, et al. Effect of routine diagnostic imaging for patients with musculoskeletal disorders: A meta-analysis. Eur J Intern Med 2015;26(8):585-95. doi: 10.1016/j.ejim.2015.06.018

[2] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2017. DOI: 10.6101/AZQ/000353. www.kreuzschmerz.versorgungsleitlinien.de

[3] Schmidt CO, Raspe H, Pfingsten M, et al. Back pain in the German adult population: prevalence, severity, and sociodemographic correlates in a multiregional survey. Spine 2007;32(18):2005-11. doi: 10.1097/BRS.0b013e318133fad8

[4] Hansen BB, Hansen P, Carrino JA, et al. Imaging in mechanical back pain: Anything new? Best Pract Res Clin Rheumatol 2016;30(4):766-85. doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.berh.2016.08.008

[5] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Rücken- und Kreuzschmerzen 2015 [Available from: www.gesundheitsinformation.de/kreuzschmerzen.2378.de.html.

[6] Linder R, Horenkamp-Sonntag D, Engel S, et al. Überdiagnostik mit Bildgebung bei Rückenschmerzen. Dtsch Med Wochenschr 2016;141(10):e96-e103. doi: 10.1055/s-0042-101467

Faktenboxen

Die Idee für Faktenboxen wurde von Lisa Schwartz und Steven Woloshin entwickelt. In mehreren Studien konnten sie zeigen, dass sie die Allgemeinbevölkerung erfolgreich über Nutzen und Schäden medizinischer Interventionen informieren. Weiteres hierzu gibt es auf der Übersichtsseite.

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