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Eierstockkrebs-Früherkennung mittels vaginalem Ultraschall

Diese Faktenbox soll Ihnen helfen, Nutzen und Schäden der Eierstockkrebs-Früherkennung mittels Ultraschall abzuwägen. Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar. Sie basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Faktenbox wurde vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz erstellt.

Was ist Eierstockkrebs?

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) entsteht durch krankhaft veränderte Zellen, die sich unkontrolliert teilen und somit einen Tumor bilden. Die Eierstöcke gehören zu den weiblichen Geschlechtsorganen. Der Tumor kann sich aus einem der verschiedenen Gewebe des Eierstocks bilden. Insofern gibt es unterschiedliche Formen dieser Krebsart. Bei einem vermehrten Zellwachstum durch bösartige oder gutartige Veränderungen kann der Tumor in Bauch- und Beckenhöhle wachsen. Tumoren bleiben in frühen Stadien oftmals unbemerkt, da nicht zwingend Beschwerden auftreten. Wenn der Tumor an Größe gewinnt, können Bauchschmerzen, Blähungen, Veränderungen der Stuhlgewohnheiten sowie unklare Gewichtsabnahme bis hin zu massive Bauchumfangszunahme auftreten [3].

Eierstockkrebs ist die achthäufigste Krebserkrankung bei der Frau, er ist jedoch die fünfthäufigste Krebstodesursache. Das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmenden Alter. Auch Übergewicht, Kinderlosigkeit und Unfruchtbarkeit können bei der Entstehung eine Rolle spielen. Er entsteht häufiger bei Frauen, deren Verwandte ersten Grades Brust- oder Eierstockkrebs hatten [4].

Was ist die Eierstockkrebs-Früherkennung mittels vaginalem Ultraschall?

Früherkennungsuntersuchungen (auch Screening genannt) richten sich an Menschen, die keine Symptome im Hinblick auf die gesuchte Krankheit, in diesem Fall Eierstockkrebs, haben. Eierstockkrebs soll dadurch früher entdeckt und behandelt werden.

Bei einer Ultraschalluntersuchung werden die inneren Organe mittels Schallwellen dargestellt. Um Bilder von den Eierstöcken zu machen, wird der Ultraschallkopf in die Scheide eingeführt, da die Eierstöcke tiefer in der Beckenhöhle liegen (vaginaler Ultraschall) [5].

Wer kann die Früherkennung mittels vaginalen Ultraschall in Betracht ziehen?

Zur Früherkennung von Eierstockkrebs bieten viele Frauenärzte in Deutschland Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke an. Dies geschieht oft im Rahmen einer sogenannten gynäkologischen Krebsvorsorge. Ohne Verdacht auf Eierstockkrebs ist diese Früherkennungsmaßnahme eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und muss daher selbst bezahlt werden [6].

Welche alternativen Früherkennungsunter-suchungen gibt es?

Weitere Früherkennungsuntersuchungen sind das Abtasten des Beckenraums und Bluttests wie der Test auf den Tumormarker CA-125. Besteht kein Verdacht auf Eierstockkrebs, wird von den gesetzlichen Krankenkassen nur das jährliche Abtasten ab dem 20. Lebensjahr bezahlt [6]. 

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Was zeigt die Faktenbox?

In der Faktenbox werden die Nichtinanspruchnahme und die Inanspruchnahme der Eierstockkrebs-Früherkennung für Frauen im Alter von 55 bis 74 Jahren hinsichtlich ihres Nutzens und Schadens miteinander verglichen.

Die Tabelle liest sich wie folgt:

Etwa 3 von je 1.000 Frauen starben mit und ohne Früherkennung innerhalb von durchschnittlich 11 Jahren an Eierstockkrebs.

Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet. Sie basieren auf einer großen Studie mit gut 200.000 Teilnehmerinnen. Sie erhielten sieben bis zu 14 Jahre lang fast jährlich Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke zur Früherkennung von Eierstockkrebs [1].

Was ist noch zu beachten?

Bei der Interpretation der Ultraschallbefunde in der Studie wurde von ausgewählten Experten etwa einer von fünf Tumoren trotz jährlicher Untersuchungen übersehen oder war zum Zeitpunkt der Untersuchung zu klein um erkannt zu werden.

Des Weiteren untersuchte die zugrundeliegende Studie die kombinierte Früherkennung aus Ultraschall und Bluttest auf den Tumormarker CA-125. Auch hier starben in einem Zeitraum von durchschnittlich 11 Jahren genauso viele Frauen an Eierstockkrebs wie bei den Frauen ohne systematische Früherkennungsuntersuchungen. Eine Senkung der Eierstockkrebssterblichkeit um 0 bis 1 von 1.000 Frauen, die mindestens sieben bis 14 Jahre lang Ultraschalluntersuchungen in Kombination mit Bluttests machen ließen, ist nicht ausgeschlossen.

Liefern die Ergebnisse einen Beweis (Evidenz) für den Nutzen und Schaden der Eierstockkrebs-Früherkennung mittels vaginalem Ultraschall?

Die dargestellten Ergebnisse stammen aus nur einer großen Studie. Es ist eine längere Beobachtungszeit notwendig, um das Ausmaß der Früherkennung auf die Sterblichkeit abschließend beurteilen und Schlussfolgerungen hinsichtlich der langfristigen Wirksamkeit ziehen zu können [1].

Letztes Update

November 2017

Visualisierung der Faktenbox

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© Harding-Zentrum für Risikokompetenz

Quellen

Die Informationen für die Faktenbox wurden den folgenden Quellen entnommen:

[1] Jacobs IJ, Menon U, Ryan A, et al. Ovarian cancer screening and mortality in the UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS): a randomised controlled trial. Lancet 2016;387(10022):945-56 doi: 10.1016/s0140-6736(15)01224-6

[2] Menon U, Gentry-Maharaj A, Hallett R, et al. Sensitivity and specificity of multimodal and ultrasound screening for ovarian cancer, and stage distribution of detected cancers: results of the prevalence screen of the UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS). Lancet Oncology 2009;10(4):327-40 doi: 10.1016/s1470-2045(09)70026-9

[3] Burges A, Schmalfeldt B. Ovarian cancer: diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2011;108(38):635-41 doi: 10.3238/arztebl.2011.0635

[4] Robert Koch-Institut. Krebs in Deutschland 2011/2012 2015 [Available from:www.gekid.de/Doc/krebs_in_deutschland_2015.pdf accessed 02.11.2017.

[5] Galanski M, Lackner K. Prinzipien der bildgebenden Diagnostik in der Onkologie. In: Schmoll H-J, Höffken K, Possinger K, eds. Kompendium Internistische Onkologie: Standards in Diagnostik und Therapie. Berlin, Heidelberg: Springer, 2006:429-48.

[6] IGeL-Monitor. Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung 2014 [Available from:www.igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/ultraschall-der-eierstoecke-zur-krebsfrueherkennung.html accessed 05.12.2017.

Faktenboxen

Die Idee für Faktenboxen wurde von Lisa Schwartz und Steven Woloshin entwickelt. In mehreren Studien konnten sie zeigen, dass sie die Allgemeinbevölkerung erfolgreich über Nutzen und Schäden medizinischer Interventionen informieren. Weiteres hierzu gibt es auf der Übersichtsseite.

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Wichtige Begriffe

Bewertungen von (Gesundheits-) Risiken sind nicht immer einfach. Um ein adäquates Verständnis von Risiken zu erleichtern, haben wir in einem Glossar einige wichtige Begriffe und Kriterien zusammengefasst und erklärt.

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