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Darmkrebs-Früherkennung durch den Test auf verborgenes Blut im Stuhl (Okkultbluttest)

Diese Faktenbox soll Ihnen helfen, Nutzen und Schäden der Darmkrebs-Früherkennung durch den Test auf verborgenes Blut im Stuhl (Okkultbluttest) abzuwägen. Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar. Sie basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Diese Faktenbox wurde vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz erstellt.

Was ist Darmkrebs?

Darmkrebs entsteht an der Darmschleimhaut, meist über Vorstufen, sogenannte Polypen. Polypen sind gutartige, in den Dickdarm hineinragende Schleimhautgeschwülste, die sich zu Darmkrebs entwickeln können.

Was ist die Darmkrebs-Früherkennung durch den Okkultbluttest?

Früherkennungsuntersuchungen (auch Screening genannt) richten sich an Menschen, die keine Symptome im Hinblick auf die gesuchte Krankheit, in diesem Fall Darmkrebs, haben. Darmkrebs soll dadurch früher entdeckt und behandelt werden.

Beim Test auf verborgenes (okkultes) Blut im Stuhl wird der Stuhl auf kleinste Mengen Blut hin untersucht, die durch das Auge nicht sichtbar sind. Blut im Stuhl kann auf Darmkrebs hinweisen, wobei der Test keinen Hinweis auf den Ursprung einer Blutung gibt. Bei einem positiven Testergebnis ist die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs erhöht. Daher wird zur Abklärung in der Regel eine große Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt.

Wer kann einen Okkultbluttestin Betracht ziehen?

Der Okkultbluttest wird Männern und Frauen in Deutschland ab einem Alter von 50 Jahren jährlich als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung angeboten [2].

Welche alternativen Früherkennungsuntersuchungen gibt es?

Weitere Formen der Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchung sind die kleine Darmspiegelung (flexible Teildarmspiegelung bzw. Sigmoidoskopie) und die Koloskopie. Die Koloskopie wird in Deutschland als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung ab 55 Jahren angeboten [2].

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Was zeigt die Faktenbox?

In der Faktenbox werden die Nicht-Inanspruchnahme und die Inanspruchnahme der Früherkennung mittels Okkultbluttest hinsichtlich des daraus resultierenden Nutzens und Schadens für Menschen ab 45 Jahren miteinander verglichen.

Die Tabelle liest sich wie folgt:

Bei Nicht-Inanspruchnahme der Früherkennung starben innerhalb von 9 bis 30 Jahren 7 von je 1.000 Menschen an Darmkrebs. Im selben Zeitraum starben 6 von je 1.000 Menschen mit Früherkennung durch den Okkultbluttest an Darmkrebs.

Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet. Die Zahlen zur Darmkrebssterblichkeit basieren auf vier Studien mit gut 310.000 Teilnehmern. Die Zahlen zu den Diagnosen basieren auf zwei Studien mit gut 220.000 Teilnehmern. Die Zahlen zum Schaden basieren bei den falsch-positiven Ergebnissen auf zwei Studien mit knapp 21.000 Teilnehmern und bei den falsch-negativen Ergebnissen auf drei Studien mit gut 3.200 Teilnehmern [1].

Was ist noch zu beachten?

Die Früherkennungsuntersuchung zeigte keinen Einfluss auf die Zahl der Todesfälle bei Betrachtung aller möglichen Todesursachen. Etwa 244 von je 1.000 Menschen starben insgesamt, mit und ohne Früherkennung. Das heißt, die zugrundliegenden Studien boten keinen Nachweis, dass der Okkultbluttest in einem Zeitraum von 9 bis 30 Jahren ein Leben rettet.

Die Daten für den Okkultbluttest basieren auf Studien zum Guajak-basierten Test auf okkultes Blut im Stuhl (gFOBT). Seit dem 01.01.2017 wurde der gFOBT vom immunologischen Test zum Nachweis von nicht sichtbarem Blut im Stuhl (iFOBT) abgelöst. Gegenwärtig existieren keine Übersichtsarbeiten mit Studien zum iFOBT, die patient*innenrelevante Endpunkte berichten. Erste Ergebnisse aus gegenwärtig laufenden Langzeitstudien werden etwa 2026 erwartet.

Es wird angenommen, dass der Nutzen des iFOBT dem des gFOBT in etwa gleicht, wenn nicht sogar größer ist [3].

Liefern die Ergebnisse einen Beweis (Evidenz) für den Nutzen und Schaden der Früherkennung durch den Okkultbluttest?

Die Beweislage ist insgesamt von niedriger bis mittlerer Qualität:

Es ist wahrscheinlich, dass die Ergebnisse zur darmkrebsspezifischen Sterblichkeit und zur Diagnose von fortgeschrittenem Darmkrebs durch weitere Forschungverändert werden (mittlere Beweislage).

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ergebnisse zu den falschen Alarmen (falsch-positive Ergebnisse) und den falsch negativen Ergebnissen durch weitere Forschung verändert werden (niedrige Beweislage).

Letztes Update

November 2016

Quellen

Die Informationen für die Faktenbox wurden den folgenden Quellen entnommen:

[1] Fitzpatrick-Lewis D, Ali MU, Warren R, et al. Screening for colorectal cancer: A systematic review and meta-analysis. Clin Colorectal Cancer 2016 doi: 10.1016/j.clcc.2016.03.003.

[2] Gemeinsamer Bundesausschuss. Früherkennungsuntersuchungen im Überblick 2016. Available from: www.g-ba.de.

[3] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Einladungsschreiben und Entscheidungshilfen zum Darmkrebs-Screening: Abschlussbericht; Auftrag P15-01. 24.10.2016. (IQWiG-Berichte; Band 451). Available from: www.iqwig.de.

Faktenboxen

Die Idee für Faktenboxen wurde von Lisa Schwartz und Steven Woloshin entwickelt. In mehreren Studien konnten sie zeigen, dass sie die Allgemeinbevölkerung erfolgreich über Nutzen und Schäden medizinischer Interventionen informieren. Weiteres hierzu gibt es auf der Übersichtsseite.

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Wichtige Begriffe

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